Nagasaki

Ihr Rumpf schimmert blau im Sonnenlicht wie ein Splitter von Lapislazuli. Die Flügel drehen sich mit 30 Schlägen pro Sekunde. Sie steht über dem Wasser, dann über dem Schilf, über den Steinen, wieder über dem Wasser. Sie durchfliegt den Raum nicht, sie wechselt Orte. Es ist heiß im Botanischen Garten von Göttingen, so heiß wie damals auf meiner ersten Japanreise in Nagasaki, als ich in der Mittagshitze die Flugmanöver einer Libelle über einem Gartenteich fotografieren wollte. Nur die Zikaden zirpen nicht. Aber was heißt hier „zirpen“? Kreissägen, ein ganzes Kreissägenorchester spielte besonders in den heißesten Stunden des Tages laut auf. Vor 70 Jahren um 11:02 Uhr jedoch schwiegen die Zikaden. Es war das erste Mal, seit sie sich in den Hügeln von Nagasaki niedergelassen hatten. Und das war lange bevor die ersten Menschen ihren Gesang ertragen mussten und noch länger bevor der Lärm der Stadt ihnen Konkurrenz machte. An diesem Morgen fiel die Sonne vom Himmel. Weiterlesen