Ohayo!

OhayoGuten Morgen! Heute nehme ich euch mit zu einem „asagohan“. Ihr seht, eigentlich ein ganz normales Frühstück, wie man es jedoch in Deutschland leider nicht an jeder Ecke bekommt. Überhaupt isst man hier in Japan ausgezeichnete Croissants und Teilchen.

Nun ist man geneigt zu fragen, warum ich in Japan ein französisches Frühstück zu mir nehme und kein traditionell japanisches. Nun, Japan hat viele Dinge aus dem Westen übernommen, sich zu eigen gemacht und perfektioniert. Die Eisenbahn zum Beispiel. Dank dieses Importgutes kann man alle fünf Minuten mit einem Shinkansen von Tokio bis Kagoshima fahren und benötigt dafür nur sieben Stunden. Würde ich in diesem Fall japanisch traditionell die 1358 km meiner Reiseroute zu Fuß gehen wollen, käme ich erst nächstes Jahr wieder zurück. Manchmal sollte man es mit der Fernwehsucht nach Originalität nicht übertreiben.

In meinem Stammcafé in Ueno sitzen mir jeden Morgen zwei ältere Herren gegenüber. Beide sind gekleidet wie Geschäftsleute: ein feiner Streifenanzug, passend dazu ein weißes Hemd mit silbernen, gold-umfassten Manschettenknöpfen, eine dunkle Krawatte und schwarze Lackschuhe. Sie diskutieren dabei jedesmal sehr angeregt über irgendein Thema, dessen Inhalt mir leider unbekannt bleiben wird. Wenn einer der beiden ein seiner Ansicht nach treffendes Argument vorbringt, schlägt er bestimmend zwei, dreimal mit der Hand auf den Tisch, nimmt einen Kugelschreiber, kritzelt ein paar Zeichen auf das vor ihm liegende Notizblättchen und wartet mit einem gespannten Gesichtsausdruck auf die Reaktion des anderen. Jener prüft das Argument daraufhin gewissenhaft, indem er sich Zeit zum Nachdenken nimmt. Dann greift er selbst zu einem Stift, runzelt die Stirn, lässt den Stift wieder sinken, setzt zu einem vorsichtigen Einwand an, der wiederum von seinem Gegenüber durch ein eiskaltes Lächeln gekontert wird, und gibt sich schließlich geschlagen. Vorerst jedenfalls.

Lässt man die Tatsache beiseite, dass man beinahe der einzige Europäer ist, muss man schon sehr genau hinschauen, um sich in Ostasien und nicht in einem Café mitten in einer europäischen Großstadt zu wähnen. So werden etwa die Bücher von hinten nach vorn gelesen. Vielleicht gibt es einen höheren Anteil älterer Menschen. Und sonst? Nichts. Keine Kimonos, keine Stäbchen, keine klappernden Holzsandalen. Aber dafür spürt man Höflichkeit, Respekt, Achtsamkeit und Rücksichtnahme. Gestern brachte mir eine vornehme, alte Dame, die nicht zum Personal gehörte, ein Glas Wasser an den Tisch, wohl in Sorge, eine Tasse Tee könnte für die Berge an Teilchen nicht ausreichen. Dann sprach sie noch eine Höflichkeitsformel, verbeugte sich und setzte sich wieder an ihren Tisch auf der anderen Seite des Raumes.

Und natürlich spricht man Japanisch. Man kann daher also wunderbar weghören. Manchmal wünsche ich mir, in Deutschland dürfte man in den Cafés nur Japanisch reden.

Nun ist es bereits Mittag und ich sollte den Tag endlich beginnen lassen.

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