Der Sonne entgegen

AnflugAuf geht es nach Japan! Ein Flug von 9175,28 Kilometern, der mich trotz der riesigen Kontinentalmasse, die es zu überfliegen gilt, nur über zwei Länder führen wird, nämlich über Finnland und Russland.

Die erste Etappe nach Helsinki absolvierte ich in einer kleinen Einturbinenmaschine. Nach einer Stunde Aufenthalt und einigen weiteren Flugstunden sitze ich schon wieder im Dunkeln.

Irgendwo dort unten liegen also die großen sibirischen Flüsse: der Ob, der Jenissei und die Lena. Die Schrecken aller Schüler, die orientierungslos im Geografieunterricht mit dem Zeigestock auf der Weltkarte herumstochern. Allerdings fällt es auch mir im Moment nicht leicht, zu bestimmen, über welchen Fluss wir gerade fliegen. Pechschwarze Nacht umfängt unsere Maschine, wenn ich aus dem kleinen Fenster hinaus schaue. Als ob man über die Dunkelkammer der Welt fliegt. Der Autofokus der Flight Map vergrößert schon gar nicht mehr den Kartenausschnitt. Dort unten gibt es einfach nichts, jedenfalls keine Städte, die man anzeigen könnte, nur Permafrostböden, Moose, Flechten, Lemminge, Rentierhalter und möglicherweise einige Eisbären. Der kürzeste Weg von Helsinki nach Tokio führt anscheinend immer am Küstenstreifen zum Arktischen Ozean entlang.

Plötzlich oder auch nicht so plötzlich (Wer kann nach 9 Stunden Flugzeit schon so genau die Zeitspanne zwischen zwei Ereignissen bestimmen?) geht das Licht an und auf dem Bildschirm erscheint statt meiner Flugroute eine junge Japanerin, auf einem Flugsessel sitzend, gekleidet mit einem pinkfarbenen Überzieher, der in eine graue, nur kurz über ihre Knie reichende Stretchhose übergeht. Es dauert ein Weile, bis ich begreife, dass es sich nicht um Werbung sondern um eine Anleitung zur Morgengymnastik handelt. Erst muss der Nacken gelockert werden, dann die Schultern, gefolgt von den Knien, Waden, Fersen und Zehen. Ich lasse einige Übungen aus, um meinem rechten Nachbarn nicht den Ellenbogen ins Gesicht zu rammen. Zum Abschluss noch einmal tief durchgeatmet und die Gymnastik ist beendet. Nehmen wir das mal als einen guten Ansatz mit, dem es noch ein wenig an der optimalen Durchführung mangelt. Aber so bin ich hoffentlich fit genug, für das nun bald folgende erste Reiseblatt aus Japan.

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